Aus dem Coaching – eine reale Führungssituation #09

Fachlich brillant. Menschlich schwierig. Was tun?

Du gehst mit einem klaren Anliegen ins Gespräch und landest eine Stunde später ganz woanders. Ein Coaching-Fall aus dem Führungsalltag zeigt, wie du den Fokus behältst und das Gespräch klar zu Ende führst.

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NÄCHSTER SCHRITT
Willst du auch in fordernden Gesprächen die Führung behalten?

30 Minuten Erstgespräch — kostenlos, vertraulich, auf den Punkt.

Kennst du Gespräche, in die du mit einem glasklaren Anliegen hineingehst und aus denen du eine Stunde später mit mehr Fragen als Antworten herauskommst?

Du wolltest ein Verhalten ansprechen. Doch plötzlich erklärst du dich. Du rechtfertigst deine Entscheidung. Du beantwortest Vorwürfe, die mit dem ursprünglichen Thema wenig zu tun haben. Und nach dem Gespräch fragst du dich: «Moment mal. Wo sind wir eigentlich hier gelandet?»

In meinem letzten Newsletter ging es um die Dunkle Triade und darum, wie sich narzisstische, machiavellistische oder psychopathische Persönlichkeitszüge im Arbeitsalltag zeigen können.

Heute interessiert mich weniger die Persönlichkeit des Gegenübers. Sondern eine viel praktischere Frage:

Wie bleibst du als Führungskraft klar, wenn dein Gegenüber das Gespräch immer wieder dreht?

Wer den Fokus verliert, verliert die Gesprächsführung.

KAPITEL 01

Die Situation

Der Mitarbeiter war fachlich hervorragend. Leistungsstark, redegewandt und gegenüber der Geschäftsleitung ausgesprochen überzeugend.

Im Team zeigte sich jedoch ein anderes Bild.

Seine Führungskraft hatte deshalb bereits mehrere Gespräche mit ihm geführt.

Doch immer wieder passierte dasselbe: Sie ging mit einem konkreten Thema hinein und landete irgendwo anders.

Aus: «Diese Vereinbarung wurde nicht eingehalten.» wurde: «Ich wurde darüber nicht richtig informiert.»

Aus: «Diese Rückmeldung aus dem Team müssen wir anschauen.» wurde: «Warum hinterfragst du eigentlich nie das Verhalten der anderen?»

Und plötzlich erklärte, begründete und rechtfertigte sie sich.

Nach den Gesprächen fragte sie sich:

  • War ich tatsächlich unfair? 
  • Habe ich etwas übersehen? 
  • Hätte ich anders reagieren müssen?
KAPITEL 02

Der blinde Fleck

Im Coaching zeigte sich etwas Entscheidendes: Das Problem war nicht, dass die Führungsperson zu wenig klar kommunizierte. 

Sie liess sich vom ursprünglichen Gesprächsgegenstand wegführen. 
Sobald der Mitarbeiter Gegenargumente brachte, begann sie, darauf einzugehen.

  • Sie beantwortete jede Frage.
  • Erklärte Hintergründe.
  • Verteidigte ihre Wahrnehmung.
  • Öffnete neue Themen.

Und mit jedem zusätzlichen Argument entfernte sich das Gespräch weiter vom eigentlichen Anlass.

Der Aha-Moment:

Nicht jedes Argument braucht eine Antwort. Und nicht jedes neue Thema gehört in dieses Gespräch.

Die Führungsperson musste also nicht lernen, besser zu argumentieren. Sie musste lernen, das Gespräch zu führen.

KAPITEL 03

Die Klärung im Coaching

Wir entwickelten für ihre nächsten Gespräche eine einfache Struktur.

Vorher klären. Im Gespräch führen. Nachher sichern.

FOKUS 1

Vor dem Gespräch: Was will ich klären?

Eine Frage: «Was muss am Ende dieses Gesprächs klar sein?»

Nicht fünf Themen. Nicht die ganze Vorgeschichte.

Ein Sachverhalt. Eine Erwartung. Eine Vereinbarung.

Das wurde ihr innerer Anker.

FOKUS 2

Im Gespräch: Zurück zum Punkt

Für typische Ablenkungen entwickelten wir kurze Sätze:

Das Ziel war nicht, das letzte Wort zu haben. 
Das Ziel war, die Gesprächsführung zu behalten.

FOKUS 3

Nach dem Gespräch: Klarheit sichern

Nach wichtigen Gesprächen hielt sie kurz fest:

Nicht als Misstrauensvotum. Sondern damit aus einem einstündigen Gespräch nicht drei Tage später zwei unterschiedliche Geschichten werden.

Klarheit heisst nicht, auf alles eine Antwort zu haben, sondern zu wissen, worum es gerade geht.

KAPITEL 04

Konkrete Erkenntnisse für Führungskräfte

Im nächsten Gespräch ging die Führungskraft anders vor.

Nicht mit dem Anspruch, jedes Argument beantworten zu müssen. 
Nicht mit dem Ziel, den Mitarbeiter von ihrer Sichtweise zu überzeugen, sondern mit einem klaren Auftrag:
Dieses Thema klären. Eine Erwartung formulieren. Eine Vereinbarung treffen.

Als der Mitarbeiter erneut auf andere Themen auswich, blieb sie beim Punkt. Sie hörte zu, ohne jedem Argument zu folgen. Sie nahm Einwände auf, ohne sich zu rechtfertigen. Und sie führte das Gespräch immer wieder zurück zum eigentlichen Anlass.

Das Gespräch wurde dadurch nicht automatisch angenehm. Aber es blieb führbar.

Und genau das war die entscheidende Veränderung: 
Ein schwieriges Gespräch muss nicht harmonisch enden. Aber es sollte klar enden.

KAPITEL 05

Der Klarheitsimpuls

Wie gut gelingt es dir, in anspruchsvollen Gesprächen den Fokus zu behalten?

Beobachte dich beim nächsten schwierigen Gespräch einmal ganz bewusst:

DREI FRAGEN · ZUM STILLEN NACHDENKEN

Vom Reagieren zum bewussten, aktiven Führen.

01
Mit welchem einen Punkt gehe ich in das Gespräch? Formuliere vorher in einem Satz, was am Ende geklärt sein soll.
02
An welcher Stelle lasse ich mich vom eigentlichen Thema wegführen? Achte besonders auf den Moment, in dem du beginnst, dich zu erklären oder zu rechtfertigen.
03
Welchen Satz brauche ich, um wieder zum Punkt zurückzukehren? Lege ihn dir vorher zurecht und nutze ihn.

Denn oft beginnt der nächste Entwicklungsschritt nicht im Organigramm, sondern im eigenen Selbstverständnis.
Wer führen will, muss bereit sein, sich selbst neu zu definieren.

Schwierige Gesprächspartner kannst du nicht kontrollieren. Aber du kannst entscheiden, ob du dich führen lässt oder das Gespräch führst.

KAPITEL 06

Mein Gedanke für dich

Wir können schwierige Gesprächspartner nicht einfach verändern. Aber wir können erkennen, wann wir selbst beginnen, auf jedes Argument einzusteigen, uns zu rechtfertigen oder den Fokus zu verlieren.

Und genau dort können wir etwas verändern.
Nicht beim anderen,
sondern bei unserer eigenen Führung.

Wir führen nicht durch das letzte Wort, sondern durch Klarheit.

Merkst du, dass du in anspruchsvollen Gesprächen manchmal mehr reagierst als führst? Manchmal genügt ein Blick von aussen, um wieder klar und fokussiert zu werden. 30 Minuten, auf Augenhöhe, ohne Verpflichtung.

Aus dem Blog

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