Gute Führung löst nicht alle Widersprüche. Sie hält sie aus und entscheidet trotzdem.
Letzte Woche erzählte mir eine Führungskraft:
„Ich weiss, was richtig wäre – aber egal, was ich tue, es fühlt sich falsch an.“
Zu nah dran? Zu distanziert.
Zu verständnisvoll? Zu hart.
Zu geduldig? Zu langsam.
Willkommen im echten Führungsalltag.
Was hier wie Unsicherheit wirkt, ist in Wahrheit etwas anderes:
ein Führungsdilemma.
Genau diese inneren Spannungen fressen Energie, verzögern Entscheidungen und machen schwierige Gespräche unnötig schwer.
Wer jedoch versteht, wie Dilemmata funktionieren, gewinnt Klarheit im Kopf, Sicherheit im Auftreten und führt Gespräche souverän, auch unter Druck.
Wer jedoch versteht, wie Dilemmata funktionieren, gewinnt Klarheit im Kopf, Sicherheit im Auftreten und führt Gespräche souverän, auch unter Druck.
In diesem Blog erfährst du:
- was ein Führungsdilemma wirklich ist
- typische Yin-&-Yang-Spannungsfelder im Alltag
- welche Erkenntnisse Führungskräfte daraus gewinnen
- Reflexionsfragen für mehr Klarheit im Entscheiden
Ich wünsche dir Mut zur Klarheit, Gelassenheit im Spannungsfeld und Führung, die sich stimmig anfühlt – für dich und dein Team.
Herzlich
Irène Wüest
Nicht die Entscheidung ist das Schwierige,
sondern die Spannung davor auszuhalten.
Was ist ein Führungsdilemma?
Ein Führungsdilemma ist eine Situation, in der zwei gegensätzliche Handlungslogiken gleichzeitig richtig sind.
– Nähe und Distanz
– Vertrauen und Kontrolle
– Fürsorge und Leistungsanspruch
Das Entscheidende:
👉 Dilemmata lassen sich nicht lösen – nur führen.
Gute Führung heisst nicht, den perfekte Mittelweg zu finden, sondern bewusst zwischen Yin und Yang zu wechseln, je nach Situation.
Typische Führungsdilemmata aus dem Alltag
Nähe ↔ Distanz
Zu viel Nähe verwässert Rollen.
Zu viel Distanz zerstört Vertrauen.
👉 Erkenntnis:
Führung bedeutet, meine Rolle bewusst einzunehmen – mit Beziehung und Verantwortung.
Ich darf empathisch sein und gleichzeitig klar entscheiden.
Ich trage Verantwortung nicht nur für Menschen, sondern auch für Auftrag, Ergebnisse und Organisation.
Entscheidend ist nicht, wie nah ich bin, sondern ob meine Führungsrolle jederzeit klar und wirksam bleibt.
Vertrauen ↔ Kontrolle
Blindes Vertrauen führt zum Blindflug.
Dauerüberwachung zur Demotivation.
👉 Erkenntnis:
Vertrauen braucht Klarheit.
Ich formuliere klare Erwartungen, vereinbare messbare Ergebnisse und überprüfe transparent, was wir erreichen.
Kontrolle ist kein Misstrauen, sondern Teil meiner Führungsverantwortung.
Entscheidend ist nicht, ob ich überprüfe, sondern wie, wann und in welcher Haltung.
Harmonie ↔ Klarheit
Konflikte zu vermeiden wirkt freundlich,
kostet aber langfristig Energie und Vertrauen.
👉 Erkenntnis:
Unausgesprochene Spannungen schaden mehr als klare Worte.
Führung heißt, Dinge anzusprechen, bevor sie sich aufstauen.
Ich kläre früh, respektvoll und direkt, auch wenn es unbequem ist.
Nicht Harmonie sichert Beziehungen, sondern Klarheit mit Haltung.
Fehler zulassen ↔ Konsequenzen ziehen
Ohne Lernraum entsteht Angst.
Ohne Konsequenzen Beliebigkeit.
👉 Erkenntnis:
Nicht jeder Fehler dient dem Lernen.
Führung heißt, sauber zu unterscheiden:
Was ist ein Entwicklungsfehler und was ist Nachlässigkeit oder Pflichtverletzung?
Ich schaffe Raum zum Lernen, aber ich ziehe auch klare Konsequenzen, wenn Verantwortung missachtet wird.
Ziel ist nicht Strafe, sondern Lernen ermöglichen und Verbindlichkeit sichern.
Nicht das Entweder-oder macht gute Führung aus,
sondern das bewusste Sowohl-als-auch zur richtigen Zeit.
Reflexionsfragen für dich
Nimm dir eine konkrete Situation und frage dich:
- Wo stehe ich gerade?
Bin ich eher schonend – oder klar und fordernd? - Was braucht diese Situation jetzt?
Zeit und Gespräch – oder Richtung und Entscheidung? - Was vermeide ich gerade?
Konflikt, Verantwortung oder Klarheit? - Was ist mein nächster klarer Schritt?
Was sage oder entscheide ich – auch wenn es Spannung erzeugt?
Manchmal reicht eine präzise Frage, um wieder handlungsfähig zu werden.
Führung zeigt sich nicht darin, Gegensätze aufzulösen, sondern Spannung bewusst auszuhalten und zu gestalten.
Wenn du merkst, dass dir genau das in Gesprächen schwerfällt, wenn du Dinge ansprichst und es eskaliert oderwenn du zu lange schweigst, obwohl Klarheit nötig wäre, dann lohnt sich vielleicht ein Gespräch mit mir.


