Führungsidentität – Warum ein neuer Titel noch keine neue Führungsperson macht
Wer du als Führungskraft bist, wirkt stärker als alles, was du als Führungskraft tust. Was ist Führungsidentität eigentlich und weshalb sie oft stärker über den Führungserfolg entscheidet als Fachwissen oder Methoden.
- 4 Min. Lesezeit
- Irène Wüest - Coach & Autorin
- Reihe: Impuls · Führung & Identität
INHALT
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Im letzten Newsletter habe ich den Coaching-Fall eines CEOs vorgestellt. Obwohl er seine Funktion bereits seit zwei Jahren erfolgreich ausübte, fühlte er sich innerlich noch nicht vollständig in seiner neuen Rolle angekommen.
Viele Rückmeldungen zeigten mir: Dieses Thema beschäftigt weit mehr Führungskräfte, als man auf den ersten Blick vermutet.
Deshalb möchte ich heute einen Schritt weitergehen. Nicht der Coaching-Fall steht im Mittelpunkt, sondern die Frage:
Was ist Führungsidentität eigentlich und weshalb entscheidet sie oft stärker über unseren Führungserfolg als Fachwissen oder Methoden?
Wer du als Führungskraft bist, wirkt stärker als alles, was du als Führungskraft tust.
Warum Identität mehr ist als ein Titel
Identität beschreibt das Bild, das du von dir selbst hast.
- Wer bin ich?
- Wofür stehe ich?
- Welche Rolle habe ich?
- Was ist typisch für mich?
Dieses Selbstbild entsteht nicht von heute auf morgen. Es entwickelt sich über Jahre durch Erfahrungen, Erfolge, Rückmeldungen und persönliche Prägungen.
Vielleicht warst du lange die Fachexpertin, der Spezialist, die zuverlässige Kollegin oder der Problemlöser im Team. Mit einer Führungsfunktion verändert sich jedoch die Rolle. Plötzlich geht es weniger darum, selbst die beste Lösung zu kennen. Stattdessen gilt es, Orientierung zu geben, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und auch unbequeme Themen anzusprechen.
Die Rolle verändert sich oft schneller als die Identität. Genau dort beginnt die eigentliche Führungsentwicklung.
6 Anzeichen, dass deine Führungsidentität noch in Entwicklung ist
Nicht immer zeigt sich dies offensichtlich.Typische Anzeichen können sein:
- Du möchtest es möglichst allen recht machen.
- Du zweifelst übermässig an deinen Entscheidungen.
- Du fühlst dich in Sitzungen mit erfahrenen Führungskräften unsicher.
- Du vermeidest Konflikte oder unangenehme Gespräche.
- Du hast das Gefühl, dich ständig beweisen zu müssen.
- Du denkst manchmal: «Irgendwann merken sie, dass ich dieser Aufgabe nicht gewachsen bin.»
Viele Führungskräfte interpretieren dies als fehlende Kompetenz. Oft steckt jedoch etwas anderes dahinter:
Die Identität hat den Rollenwechsel noch nicht vollständig nachvollzogen.
Wie entwickelt sich eine neue Führungsidentität?
Die schlechte Nachricht zuerst: Identität lässt sich nicht per Knopfdruck verändern.
Die gute Nachricht: Sie entwickelt sich mit jeder Erfahrung, die du in deiner Führungsrolle machst.
Jedes Mal, wenn du
- eine schwierige Entscheidung triffst,
- ein Konfliktgespräch führst,
- Verantwortung übernimmst,
- eine klare Haltung vertrittst,
- Grenzen setzt,
- Orientierung gibst,
sammelt dein Gehirn neue Erfahrungen. Mit der Zeit entsteht daraus ein neues Selbstverständnis.
Nicht mehr «Ich versuche, eine Führungskraft zu sein,» sondern «Ich bin Führungskraft.»
Genau deshalb entwickeln sich viele Führungskräfte nicht in Seminaren am stärksten, sondern im Führungsalltag. Durch Erfahrungen. Durch Reflexion. Durch Feedback. Und manchmal auch durch Fehler.
Reflexionsfragen für dich
Nimm dir einige Minuten Zeit und frage dich:
Mein Impuls für dich
Viele Führungskräfte investieren viel Zeit in Methoden, Tools und Fachwissen. Das ist wichtig. Noch wichtiger ist jedoch die Frage: Wer möchtest du als Führungskraft sein?
Methoden lernst du in einem Seminar. Deine Führungsidentität entwickelst du durch bewusste Reflexion.
Nachhaltige Führung beginnt nicht mit einem Titel, sondern mit dem Selbstverständnis, mit dem du führst.
- Den Rollenwechsel innerlich nachvollziehen
- Werte und Haltung als Führungskraft klären
- Ehrlich, vertraulich, ohne Verkaufsdruck
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