Laterale Führung: Führen, wenn du nichts anweisen kannst
Mehr Druck hilft selten, wenn andere nicht mitziehen. Mehr Klarheit jedoch schon. Was laterale Führung ausmacht, warum sie so anspruchsvoll ist, und wie du auch ohne Weisungsbefugnis Verbindlichkeit schaffst.
- 4 Min. Lesezeit
- Irène Wüest - Coach & Autorin
- Reihe: Impuls · Führung
INHALT
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Du trägst Verantwortung. Aber du kannst nicht anweisen.
Du leitest ein Projekt, koordinierst einen Prozess oder arbeitest bereichsübergreifend mit anderen zusammen. Das Ergebnis hängt auch von Menschen ab, die dir nicht unterstellt sind. Und genau da beginnt laterale Führung.
Du kannst nicht einfach sagen: «So machen wir das jetzt.» Du musst Menschen gewinnen, unterschiedliche Interessen zusammenbringen, Erwartungen klären und trotzdem dafür sorgen, dass am Ende etwas passiert.
Das kann ganz schön anspruchsvoll sein.
Denn was tun, wenn andere andere Prioritäten haben?
Wenn Abmachungen versanden?
Wenn du immer wieder nachhaken musst?
Oder wenn du zwar verantwortlich bist, aber kaum etwas entscheiden kannst?
Mehr Druck hilft dann selten. Mehr Klarheit schon.
In diesem Newsletter erfährst du,
- was laterale Führung konkret bedeutet,
- warum sie so anspruchsvoll ist,
- welcher Denkfehler uns dabei oft im Weg steht,
- und worauf es ankommt, damit Führung auch ohne Hierarchie gelingt.
Was laterale Führung ausmacht
Laterale Führung bedeutet:
Du übernimmst Führung, ohne hierarchisch vorgesetzt zu sein.
Das begegnet uns heute überall: in Projekten, bereichsübergreifender Zusammenarbeit, zwischen Standorten oder in der Zusammenarbeit mit Fachstellen und externen Partnern.
Du kannst nicht anordnen. Du musst Zusammenarbeit herstellen.
Und genau deshalb ist laterale Führung keine Führung «light». Im Gegenteil.
Je weniger du dich auf Hierarchie verlassen kannst, desto wichtiger werden Klarheit, Glaubwürdigkeit und Beziehung.
Warum ist Führen ohne Weisungsbefugnis so anspruchsvoll?
Weil Verantwortung und Einfluss nicht deckungsgleich sind.
Du sollst ein Ergebnis liefern. Doch die Menschen, die du dafür brauchst, haben möglicherweise ganz andere Prioritäten.
- HR achtet auf Prozesse.
- Der Betrieb braucht schnelle Lösungen.
- Finanzen achten auf Budgets.
- Die IT auf Sicherheit.
Alle handeln aus ihrer Perspektive sinnvoll.
Schwierig wird es, wenn diese unterschiedlichen Interessen nicht ausgesprochen werden. Dann wird aus Zusammenarbeit schnell ein Tauziehen.
Je weniger Weisungsbefugnis du hast, desto wichtiger wird Klarheit.
Der typische Denkfehler
Wenn andere nicht mitziehen, versuchen wir häufig, noch mehr zu überzeugen.
- Wir erklären noch einmal.
- Argumentieren ausführlicher.
- Schicken eine weitere E-Mail.
- Haken nochmals nach.
- Erhöhen irgendwann den Druck.
Und denken: «Warum machen die anderen nicht einfach mit?».
Doch vielleicht liegt genau hier der Denkfehler: Nicht immer fehlen die besseren Argumente.
Oft fehlt die Klarheit darüber,
- wer was braucht,
- wer wofür verantwortlich ist und
- welches gemeinsame Ziel überhaupt verfolgt wird.
Mehr Druck ersetzt keine geklärten Erwartungen.
Genau deshalb entwickeln sich viele Führungskräfte nicht in Seminaren am stärksten, sondern im Führungsalltag.
Durch Erfahrungen. Durch Reflexion. Durch Feedback. Und manchmal auch durch Fehler.
Worauf es stattdessen ankommt
Laterale Führung funktioniert nach anderen Spielregeln.
- Nicht Klarheit schafft Wirkung. Sondern Glaubwürdigkeit.
- Nicht Druck schafft Verbindlichkeit. Sondern Klarheit.
- Nicht Position schafft Vertrauen. Sondern Verhalten.
Das bedeutet auch: Frag weniger: «Wie bringe ich die anderen dazu?»
Frag öfter:
- Was ist meinem Gegenüber wichtig?
- Welche Interessen und Ziele verfolgt die andere Person?
- Wo haben wir ein gemeinsames Ziel?
- Wer trägt welche Verantwortung?
- Was erwarten wir konkret voneinander?
- Was davon haben wir tatsächlich geklärt und was nehme ich nur an?
Denn wer Interessen versteht, muss weniger kämpfen.
Und wer Erwartungen klärt, schafft eher Verbindlichkeit.
Reflexionsfragen für dich
Nimm dir einige Minuten Zeit und denke an eine konkrete Situation:
Führung zeigt sich dort, wo deine Position allein nicht reicht.
Mein Führungsimpuls
Viele glauben, Führen ohne Weisungsbefugnis bedeutet:
«Ich muss lernen, besser zu überzeugen.»
Ich sehe es anders.
Es bedeutet vor allem, Menschen für ein gemeinsames Ziel zu gewinnen und Verbindlichkeit herzustellen.
Dafür brauchst du nicht mehr Macht. Du brauchst Klarheit über Ziele, Rollen, Interessen und Erwartungen.
Denn Führung zeigt sich nicht nur dort, wo du etwas anweisen kannst. Sie zeigt sich besonders dort, wo du es nicht kannst.
Bist du für Ergebnisse verantwortlich, führst bereichsübergreifend oder bewegst dich täglich zwischen unterschiedlichen Interessen?
Dann lohnt sich ein genauer Blick darauf, wo es wirklich hakt:
Bei den Menschen? Oder bei unklaren Rollen, Erwartungen, Verantwortlichkeiten und Spielregeln?
Genau dort setze ich mit meinen Angeboten rund um Führungsklarheit an – im 1:1, im Sparring oder gemeinsam mit Teams und Führungsgremien.
Klarheit schafft Verbindlichkeit, auch ohne Weisungsbefugnis.
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