Aus dem Coaching – eine reale Führungssituation #10

Verantwortung ohne Weisungs-befugnis. Geht das überhaupt?

Du trägst die Verantwortung für das Resultat, hast aber keine formale Macht und Weisungsbefugnis über die Beteiligten. Ein realer Fall aus dem Coachingalltag zeigt, wie Führung auf Augenhöhe trotzdem gelingt.

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Willst du auch ohne Weisungsbefugnis wirksam führen?

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In meinem letzten Newsletter ging es um laterale Führung, also darum, Menschen zu führen, ohne ihnen hierarchisch vorgesetzt zu sein.

Heute möchte ich dir zeigen, wie anspruchsvoll das in der Praxis sein kann.

Vor einigen Wochen sass ein Betriebsleiter bei mir.

Er leitet einen Standort und trägt die Verantwortung dafür, dass der Betrieb funktioniert. Gleichzeitig ist er auf die Zusammenarbeit mit HR, Facility Management, Administration und weiteren zentralen Diensten angewiesen.

Sein Problem: Viele der Menschen, die er für gute Ergebnisse braucht, sind ihm gar nicht unterstellt.

Und genau das sorgte zunehmend für Frust.

Seine Frage an mich: «Wie bringe ich diese Mitarbeitenden endlich dazu, mitzuziehen? Insbesondere diejenigen, die gar nicht wollen?»

Nicht jeder, der nicht mitzieht, leistet Widerstand.

KAPITEL 01

Die Situation

Der Betriebsleiter war überzeugt, dass einige Mitarbeitende schlicht nicht mitziehen wollten.

Er hatte das Gefühl, ständig hinterherlaufen zu müssen. Und je weniger Wirkung er erzielte, desto mehr versuchte er:

  • zu erklären,
  • zu argumentieren,
  • zu erinnern,
  • nachzuhaken.
 

Mit immer weniger Erfolg. Sein Frust wuchs.
Und mit ihm die Überzeugung: «Die anderen wollen einfach nicht.»

KAPITEL 02

Der blinde Fleck

Ich hörte ihm eine Weile zu. Dann fragte ich: «Sind diese Mitarbeitenden überhaupt deine Mitarbeitenden?»

Er schaute mich an. Kurze Pause. «Eigentlich nicht.»

Da lag sein blinder Fleck. Er trug Verantwortung für das Ergebnis und verhielt sich deshalb unbewusst so, als hätte er auch die entsprechende Weisungsbefugnis. Hatte er aber nicht.

Er versuchte, über Druck und Beharrlichkeit Einfluss zu gewinnen, obwohl er sich in einer lateralen Führungsrolle befand.

Und dort gelten andere Spielregeln:

KAPITEL 03

Die Klärung im Coaching

Dann stellte ich ihm eine zweite Frage: «Warum sollten die anderen dein Anliegen höher priorisieren als ihre eigenen Aufgaben?»

Wieder wurde es still. Dann sagte er: «Eigentlich haben sie dafür gar keinen Grund.»

Das war der entscheidende Perspektivenwechsel.

Vielleicht arbeiteten die anderen gar nicht gegen ihn. Vielleicht arbeiteten sie schlicht für etwas anderes.

  • HR hatte eigene Ziele.
  • Facility Management ebenfalls.
  • Die Administration auch.

Jeder Bereich hatte eigene Aufgaben, Prioritäten und Verantwortlichkeiten.

Also schauten wir genauer hin:

  • Welche Interessen verfolgen die einzelnen Bereiche?
  • Wo gibt es ein gemeinsames Ziel?
  • Welche Erwartungen wurden tatsächlich ausgesprochen?
  • Welche wurden lediglich vorausgesetzt?
  • Wer ist wofür verantwortlich?
  • Wo braucht es verbindliche Absprachen statt noch mehr Druck?
 

Plötzlich ging es nicht mehr um: «Wie bringe ich die anderen dazu?»
Sondern um: «Was müssen wir miteinander klären, damit Zusammenarbeit möglich wird?»

Und genau darin lag der Unterschied.

KAPITEL 04

Konkrete Erkenntnisse für Führungskräfte

Dieser Fall zeigt für mich sehr schön:

Verantwortung bedeutet nicht automatisch Weisungsbefugnis.

Gerade in bereichsübergreifenden Strukturen, Projekten oder Matrixorganisationen sind Führungskräfte zunehmend darauf angewiesen, Einfluss ohne formale Macht zu nehmen.

Das verlangt einen anderen Blick auf Führung.

  1. Nicht vorschnell Widerstand unterstellen
    Wenn jemand dein Anliegen nicht priorisiert, bedeutet das nicht automatisch, dass die Person gegen dich arbeitet.
    Vielleicht hat sie schlicht andere Ziele und Verantwortlichkeiten.
  2. Interessen vor Positionen klären
    Frag nicht nur: «Was will ich?» Sondern auch: «Was ist meinem Gegenüber wichtig?»
  3. Erwartungen nicht voraussetzen
    Was für dich selbstverständlich ist, muss für die andere Person noch lange nicht klar sein.
    Ausgesprochene Erwartungen schaffen Verbindlichkeit.
    Unausgesprochene Erwartungen schaffen Enttäuschungen.
  4. Gemeinsame Ziele sichtbar machen
    Laterale Führung funktioniert nicht über: «Du musst.»
    Sondern viel stärker über: «Was wollen oder müssen wir gemeinsam erreichen?»
KAPITEL 05

Der Klarheitsimpuls

Vielleicht gibt es auch in deinem Führungsalltag jemanden, über den du dich immer wieder ärgerst.

  • Weil die Person nicht reagiert.
  • Nicht liefert.
  • Andere Prioritäten setzt.
  • Oder scheinbar einfach nicht mitzieht.
 

Bevor du beim nächsten Mal noch mehr erklärst, argumentierst oder Druck machst, frag dich:

01
Ist diese Person mir überhaupt unterstellt?
02
Was ist aus ihrer Perspektive gerade wichtig?
03
Welche Erwartungen haben wir wirklich miteinander geklärt?
04
Und gibt es überhaupt ein gemeinsames Verständnis davon, wofür wir gemeinsam Verantwortung tragen?

Manchmal liegt das Problem nicht darin, dass Menschen nicht wollen.

Sondern darin, dass nie wirklich geklärt wurde, warum sie mitziehen sollten.
Das ist für mich Führungsklarheit.

Menschen arbeiten selten gegen dich. Sie arbeiten oft für etwas anderes.

Wenn du selbst gerade feststeckst

Vielleicht kennst du das:
Du drehst dich mit einer Führungssituation im Kreis.
Du hast schon einiges versucht. Und trotzdem kommst du nicht wirklich weiter. 

Oft braucht es dann nicht noch mehr Tipps oder Methoden.
Sondern einen Blick von aussen und die richtigen Fragen.

Im Führungscoaching schauen wir gemeinsam hin:

Aus dem Blog

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